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Im Juli 2011 haben die ersten Teilnehmer der interdisziplinären Weiterbildung zum Hilfsmittelexperten/in die Abschlussprüfung bestanden. Die neun Teilnehmerinnen, die aus den Bereichen Pflege, Ergo- und Physiotherapie kommen, waren nach über eineinhalb Jahren berufsbegleitenden Lernen sichtlich erleichtert. „Wir fühlten uns ja schon etwas wie Versuchskaninchen – aber ab heute sind wir Pioniere in der Versorgungslandschaft“, so Frau Maria Penzlien, die als selbständige Pflegegutachterin in der Weiterbildung eine ideale Ergänzung ihres Kompetenzprofils gefunden hat. Der Pioniergedanke steht auch für Hannelore Bodgon im Vordergrund. „Es macht mich Stolz, dass ich mit unter den ersten bin, die die Weiterbildung zum geprüften Hilfsmittelexperten absolviert und ihr aus den Kinderschuhen zu geholfen haben“. Für Sie hat auch das zukünftige Netzwerk große Bedeutung, in das die gemeinsamen Kompetenzen unterschiedlicher Berufsgruppen einfließen werden und auf die jeder Absolvent im Bedarf zurückgreifen kann. Eine Veränderung der beruflichen Situation sieht auch für Aloisia Marweld: „ Die gewonnenen Kompetenzen als Hilfsmittelexpertin/Case- managerin zur Optimierung von Hilfsmittelversorgungen bzw. zur Vermeidung von Fehlversorgungen bieten eine ideale Ergänzung zu meinen beruflichen Erfahrungen als Krankenschwester und geben mir dir Voraussetzung etwa als Pflegegutachterin tätig zu werden". Für die Physiotherapeutin Frau Dagmar Eikenkötter, die in einem pädiatrischen Zentrum arbeitet, hat die Zukunft schon vor der Abschlussprüfung begonnen: „Seit dem ich die Anträge auf Hilfsmittelversorgung besser vorbereitet, klappt die Zusammenarbeit mit den Kostenträgern schon besser. Für uns alle wird der Zeitaufwand geringer. Ich habe erlebt, dass durch eine fundierte und schlüssige Planung mit der Nennung von Zielen das Vertrauen der Sachbearbeiter wächst. Insbesondere da wir auch nichts anderes wollen, als eine notwendige, ausreichende und wirtschaftliche Versorgung“. 880 Stunden selbstorganisierte Lernzeit und manche Fahrt zu den Präsenzveranstaltungen an der Universität nach Witten haben die Teilnehmer in Kauf genommen. Beim gemeinsamen Abendessen ist sind so manche Erinnerungen an Highlights wach geworden: „Auch wenn die Lehrbriefe didaktisch gut aufgebaut sind und wir auf umfangreiches Hintergrundmaterial zurückgreifen können, so ist doch der Anschauungsunterricht durch nichts zu ersetzen. Er ist einfach unverzichtbar, um den klinischen Blick für das Zusammenspiel, für die Passung von Menschen und Hilfsmittel zu schulen. Das Spielen mit dem theoretischen Wissen während der Präsenztage hat auch die Vielfältigkeit dieser Weiterbildung deutlich gemacht. Perfekt war das Einbeziehen des Casemanagements in die Versorgung, weil die Empfehlung einer Hilfsmittelversorgung immer einhergeht mit der Erfassung der Gesamtsituation des Menschen“, so die Ergotherapeutin Frau Mabel Diaz . „Beeindruckend fand ich bei den Fallpräsentationen...“ sagte Frau Prof. Bienstein, die die Abschlussprüfung begleitet hat: „...dass bei Menschen, bei denen die Hilfsmittelversorgung so komplex oder aus anderen Gründen schwierig ist, immer auch viele andere Probleme aus Pflege oder Medizin vorliegen, vor allem aber die psychosoziale Betreuung eine so wichtige Rolle spielt. Wenn beispielsweise ein 18-jähiger Mann, der bislang im Elternhaus betreut wurde, plötzlich in eine eigene Wohnung ausziehen will. Das ist nicht nur ein technisches Problem oder eines der Finanzierung. Da ist umfassende und vorausschauende Beratung und echtes Casemanagement gefragt.“ „In diesem Sinne füllt die Weiterbildung eine Leerstelle in der Versorgungslandschaft“, schließt sich Otto Inhester an, der an der UWH für die Durchführung Weiterbildung verantwortlich ist. „Es gibt ja keinen Beruf oder keine andere Weiterbildung, die so umfassend auf das Thema Hilfsmittelversorgung vorbereitet. Unsere Teilnehmer sind keine Hilfsmittelspezialisten – eher Spezialisten für die Hilfsmittelversorgung, also für neutrale Bedarfsermittlung und die Begründung von Anträgen. Schaut man sich die Weichenstellungen der Politik an, z.B. den Referentenentwurf des geplanten Gesetzes zur Verbesserung der Versorgungsstrukturen in der Gesetzlichen Krankenversicherung, sehe ich unsere Absolventen gut gerüstet, zukünftig eine verantwortliche Rolle in der Hilfsmittelversorgung zu spielen.“
Auch Norbert Kamps, Mitbegründer der Weiterbildung und Hilfsmittelreferent des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V. sieht hier ein der zukünftigen Hauptaufgaben der Hilfsmittelexperten: „Casemangement und Hilfsmittelversorgung werden zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Moderne Techniken halten mit immer rasanteren Schritten Einzug in die Hilfsmittelversorgung. In der Praxis gestaltet sich die Versorgung aufgrund komplizierter rechtlicher und technischer Rahmenbedingungen häufig sehr schwierig. Insbesondere das Erfassen der individuellen Lebenssituation unter Berücksichtigung aller Kontextfaktoren, Wünsche und Ziele des Betroffenen überfordert regelhaft Verordner, Versorger und Kostenträger. Da reicht es nicht mehr aus, einfach ein Hilfsmittel nach dem Gießkannenprinzip und ohne Berücksichtigung aller Lebensumstände abzugeben oder zu bewilligen. Schulungen, Einbindung in das tägliche Leben aber auch zuvor die umfassende Beratung sind für eine moderne, effektive und effiziente Hilfsmittelversorgung unerlässlich. Hilfsmittelexperten könne da aufgrund Ihrer breiten und umfassenden Ausbildung den Patienten - aber auch den Kostenträgern - wertvolle Diensten leisten und helfen, den Überblick über den verwirrenden Markt der Hilfsmittel nicht zu verlieren.“
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